Allgemeines

Die Urologen in Klinik und Praxis versorgen 75 Prozent der urologischen Krebspatienten. Über 1200 urologische Praxen stellen in ganz Deutschland eine qualifizierte, flächendeckende und wohnortnahe ambulante uro-onkologische Versorgung sicher.

Die im Jahre 2000 postulierten Thesen über Fehlentwicklungen der onkologischen Versorgung haben zwar einen gesellschaftlichen Diskurs ausgelöst, aber zu einer Verbesserung der Versorgung haben zertifizierte onkologische Spitzenzentren nicht geführt. „Klinisch-Onkologische Zentren und Organzentren werden auch durch Zertifizierung dem Anspruch einer qualifizierten, wohnortnahen Versorgung nicht gerecht. Die Zentrumsbildung mit der Bündelung interdisziplinärer, onkologischer Kompetenz bildet den Versorgungsalltag so nicht ab. Im Gegenteil, in der Versorgungspraxis haben sich zentrale Versorgungsstrukturen nicht bewährt. Sie setzen falsche Anreize“, sagt Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. (BDU). „Mindestmengen, Leistungsvereinbarungen und Zielkriterien werden zu den entscheidenden Hauptkriterien für die Vergabe von Zertifikaten.“ Eine belastbare Evidenz für den Nutzen von Zentren und Leistungsmengen sieht der niedergelassene Urologe aus Neumünster nicht.

Schroeder ist nicht prinzipiell gegen Zentren mit klinischer und wissenschaftlicher Exzellenz: „Organzentren und Klinisch-Onkologische Zentren gehören eingebunden in regionale uro-onkologische Netzwerke.“ Bei der zunehmenden Zahl urologischer Krebspatienten sieht der Berufsverband den niedergelassenen Uro-Onkologen in der primären ambulanten Versorgung der Krebspatienten sektorübergreifend im Verbund mit den urologischen Kliniken und interdisziplinärem Management. „Also primär keine Zentren, sondern onkologische Netzwerke, zu denen auch Tumorzentren für besondere Verlaufsformen der Krebserkrankungen gehören“, so der Präsident.

In Anbetracht des demografischen Wandels erwartet die Deutsche Krebsgesellschaft ein Ansteigen der Krebserkrankungen von jetzt 450 000 auf 600 000 Fälle im Jahre 2020. Man rechnet aufgrund dieser Entwicklung mit einer Zunahme jährlich um etwa zwei Prozent. Diese demografische Welle trifft besonders die Urologie. Schroeder: „Bei künftigem Mangel an Ressourcen brauchen wir keinen Wettbewerb der Versorgungsebenen, keinen Wettbewerb um Qualität, sondern Wissenstransfer, Vernetzung und standardisierte Dokumentation/Register in der onkologischen Versorgung.“ Insbesondere den Wettbewerb der Zertifizierung urologischer Tumorzentren kritisiert der Berufsverband der Deutschen Urologen. Schroeder sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Der BDU strebt nach einer einheitlichen Zertifizierung für urologische Organnetze- und Zentren nach gleichen Qualitätskriterien. „Behandlungspfade- und Konzepte lokal umzusetzen, ist eine Aufgabe regionaler qualifizierter Praxisnetze“, so der BDU-Präsident.

Das Versorgungsstrukturgesetz gibt jetzt die gesetzlichen Grundlagen: Praxisnetze als Leistungserbringer im Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) und die ambulante spezialfachärztliche Versorgung. Diese verlangt Kooperation mit regionalen Kliniken und stellt eine Alternative oder Vorstufe zur Integrierten Versorgung dar.

Der BDU setzt auf sektorale Verzahnung, um die vorhandenen Ressourcen medizinisch und wirtschaftlich zu nutzen und die Behandlungsabläufe und Qualitäten zu optimieren. Dies bedingt eine Kooperation sowohl im ambulanten Bereich, z.B. in überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften oder in Form eines regionalen Onkologienetzes, als auch eine Vereinbarung mit dem regionalen Krankenhaus. Die Beteiligung des niedergelassenen Arztes als Leistungserbringer im § 115 a (prä-poststationär) schafft nun die gesetzlichen Voraussetzungen.